Das Kollektiv Queerschlag ruft auf zur Demo am 29. Juni 2019!

Vor 50 Jahren, Ende Juni 1969, führte die Polizei eine Razzia im Stonewall Inn an der Christopher Street in New York durch. Dagegen wehrten sich die anwesenden Personen, grösstenteils Drag-Queens of Colour aus der Arbeiter*innenklasse. Es entstand ein Aufstand, der sich rasch in der ganzen Christoper Street ausbreitete. Queere Menschen wehrten sich hier nicht zum ersten Mal gegen staatliche Repression[1], aber das Ausmass des Kampfes und die Aufmerksamkeit die er auf sich zog, veränderten das queere Selbst- und Fremdverständnis und die Strategien in der USA, gegen queerfeindliche Unterdrückung vorzugehen. Zuvor geschah queerer Aktivismus im Versteckten; mit Stonewall begann eine öffentlichere Strategie. Stonewall war auch Teil des Shifts von Assimilation[2] zu Offensive. Nicht mehr „wir sind auch normal“, sondern vielmehr „wir sind anders und das ist gut so“ war die Devise queeren Aktivismus’. Bis heute nehmen diverse queere Veranstaltungen Bezug auf die Stonewall-Krawalle (zB. der CSD in Berlin). 

 

Oft wird vergessen, dass es sich dabei um einen politischen, anti-autoritären Kampf mehrfach marginalisierter[3] Menschen handelte, in dem sich queere Personen gegen staatliche Gewalt wehrten. So zum Beispiel an vielen Prides, wo das Ziel vielmehr Party, Konsum und Kommerz als Politik ist. Es scheint so, dass einfach so getan wird, als ob alles schon gut wäre; ein Bedürfnis nach Veränderung wird dabei nicht laut. Und während die Banken für queere Menschen, Arbeiter*innen, POC[4] und Sexarbeiter*innen nicht nur keine sicheren Orte sind sondern auch aktiv ihre Lebensbedingungen verschlechtern, können sie sich durch das Sponsoring der Pride queeren Aktivismus auf die Fahne schreiben.

 

Während Stonewall Angriffe auf die Freiheit von queeren Arbeiter*innen und Sexarbeiter*innen of color abwehrte und antirassistische, antikapitalistische und revolutionäre queere Ziele verfolgte spielt z.B. die Zürcher Pride mit im kapitalistischen Profitstreben und fördert dieses unter dem Deckmantel des Aktivismus. Dies ist keine vereinzelte Erscheinung: Queerer Aktivismus und queere Leben werden immer mehr von neoliberalen Ideologien und Profitstreben eingenommen. Aber nur weil queere Menschen als Konsument*innen angesprochen werden, heisst das nicht, dass queere Unterdrückung nicht koexistiert. Wir lassen uns nicht über unsere Unterdrückung hinwegtäuschen! 

 

Auch die Vielfalt queerer Personen und Lebensrealitäten geht dabei unter und wird auf die Homosexualität weisser cis-Männer reduziert. Dadurch entstehen Machtstrukturen und Ausgrenzungen innerhalb queerer Gruppierungen, was die Kraft von queeren Kämpfen beeinträchtigt und die Logik von Herrschaft und Unterdrückung der gesellschaftlichen Ordnung reproduziert. 

Wir wollen nicht mit einer Party von den Auswirkungen ablenken, die Unterdrückung und Ausgrenzung von queeren Personen auf uns haben. Uns geht es vielmehr darum, sehr genau hinzuschauen, die Probleme zu erkennen und sie zu ändern. Wir stehen für unsere Lebensweisen und Identitäten ein und kämpfen für Veränderungen, die uns ein freies Leben ermöglichen.

 

Daran wollen wir mit unserer Demo im Andenken an die Stonewall-Krawalle und ihre Opfer in der queer-Community erinnern, wie auch daran, was sie bewegt und verändert haben. Der Kampf gegen unterdrückende, heteronormative Strukturen ist aber noch lange nicht gewonnen. Wir treten ein für eine Gesellschaft, die von jeder Ausgrenzung frei ist. Diese Demonstration anerkennt und reflektiert deswegen, dass sich Diskriminierungsformen überschneiden und auch gleichzeitig bekämpft werden müssen.

 

Um der Radikalität der Anliegen der Stonewall-Krawalle gerecht zu werden, wollen wir kreativ und transformativ[5] gemeinsam auf die Strasse gehen, ohne Logos kommerzieller oder parteipolitischer Art, ohne Werbung und ohne Sponsoring. 

 

Gemeinsam auf die Strasse für eine freiere Gesellschaft!

 Am 29.6 um 15:30h, Barfüsserplatz Basel

1: [gewaltsame] Unterdrückung von Kritik, Widerstand, politischen Bewegungen, individueller Entfaltung, individuellen Bedürfnissen (Duden)

2: Anpassung/Angleichung der Verhaltensweisen, Kultur und/oder Religion an die gesellschaftliche Norm

3: [gesellschaftlich] an den Rand gedrängt/unsichtbar gemacht

4: People of Color

5: tiefgreifende, komplette Veränderung herbeiführen